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Die Kirche Sankt Servatius in Siegburg, die um 1169 die vorherige Kirche ersetzte, war am 9. November Ziel der letzten Exkursion des Heimat-und Geschichtsvereins in diesem Jahr. Unsere Führerin Frau Kühn erklärte uns die lange und wechselhafte Geschichte der Kirche, wie bei so vielen alten Gebäuden auch eine Geschichte von An – und Umbauten. So stellte sich auch bei der Restaurierung die Frage, was ist nun der Zustand, der wiederhergestellt werden soll? Ob es wissenschaftlich alles richtig ist vermochten wir nicht beurteilen, aber die Schönheit und die vielen bei der Restaurierung entdeckten Details überzeugten!

Ein Höhepunkt war sicher die öffentlich zugängliche Schatzkammer mit vielen Schreinen. Spannend waren hier die Geschichten um die manchmal verschlungenen Wege der Reliquien, aber auch um die Darstellungen auf den Schreinen. So „lernten“ wir, dass die allen vertraute Darstellung der Krippe mit den Tieren auf die Franziskaner zurückgeht. Interessant war auch zu erfahren, wie ein solcher Schrein entsteht. So stellt das ausgestellte innere Holzgehäuse eines Schreins schon was Besonderes dar. Die „Löcher“ sind keine Folgen von Wurmbefall, sondern die Nagellöcher vieler kleiner Stifte, mit denen die „Schmuckbeplankung“ aus Metall aufgebracht wird.

Weihnachten steht vor der Tür und damit auch das neue Jahrbuch! Besuchen Sie uns auf den Weihnachtsmärkten in Seelscheid am 2. Dezember und am 16./17. Dezember in Neunkirchen. Wir freuen uns auf Sie!

Hans-Jürgen Parpart

Erster Vorsitzender Heimat-und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid

Innenraum von St. Servatius
Schrein innen

Am Samstag, den 7. Oktober, führte Graf Max von Nesselrode Teilnehmer des Heimat-und Geschichtsvereins zusammen mit einer Kölner Gruppe um Burg Herrnstein und gab uns interessante Einblicke nicht nur in die Natur und den Garten sondern auch in die Randbedingungen der Bewirtschaftung eines jahrhundertealten Waldbesitzes.

Burg Herrnstein kam als Haus der Herren vom Steyn über Erbfolge in den Besitz der Grafen Nesselrode und ist aber, da eher abgelegen im Bergischen Land, erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs Wohnsitz der gräflichen Familie.

Durchaus zufrieden erklärte uns der Graf zunächst das am Brölbach gelegene kleine Wasserkraftwerk mit immerhin 45 kW Leistung, welches die Familie auf Basis eines uralten Wasserrechtes kommerziell betreibt.

Bei der Führung durch den, an englische Landschaftsgärten angelehnten Park rund um die Burg machte er uns mit einigen botanischen Besonderheiten vertraut, aber auch mit den Zwiespältigkeiten moderner Gesetzgebung. Bauten und Natur änderten sich in Jahrhunderten ständig, um dem Bedarf der jeweiligen Eigentümer in ihrer Zeit gerecht zu werden. Waren die Teiche früher Wiesen, nasser Acker, Erlenbruch oder einfach nur Wasserreservoir für die Mühlen, so leidet der heutige Versuch der Nutzung als Fischteiche derzeit am Hunger der Kormorane und Fischreiher. Auch in der Forstwirtschaft, so die Ausführungen, erschwerten sich die Bedingungen zunehmend durch übertriebene Regelungswut des Landesgesetzgebers.

Ein Blick in den privaten Innenhof der Burg beendete dann eine sehr interessante, viele Aspekte umfassende Führung.

Das Angebot, unseren Ausflug mit einem gemeinsamen Essen in der Pfannkuchenmühle ausklingen zu lassen nahmen viele Teilnehmer wahr. Nach einem guten Essen und vielen Gesprächen ging es gutgelaunt ins Wochenende.

Hans-Jürgen Parpart
1. Vorsitzender Heimat – und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid

Graf Max von Nesselrode erläutert das Kraftwerk

 

Am Samstag, 26.08.2017 führte der Historiker Hartmut Benz eine Gruppe von fast 20 Mitgliedern und Freunden des HGV „in's Hommersche“.

Vom gemeinsamen Treffpunkt an der Gaststätte Stommel in Friedenthal führte unser Weg vorbei am alten Mühlenstandort, wo im Verlauf von über 500 Jahren einst mit Wasserkraft eine Kornmühle, ein Hammerwerk, eine Papiermühle und bis 1965 eine Messerfabrik betrieben wurde, die heute dem Bildhauer Rainer Pape als Atelier dient. Die inzwischen modernisierte Wasserkraftanlage versorgt heute ca. 50 Haushalte mit Strom.

Vorbei am malerischen, aus Sicht des Historikers Hartmut Benz jedoch in seiner 700 jährigen Geschichte eher unauffälligen Ortes Kurtenbach, erreichten wir Niederbreidenbach. Hier wurden wir an unsere jüngere Historie erinnert, denn Niederbreidenbach ist der Geburtsort einer in brauner Vergangenheit bekannten Politikergröße. Auf dem weiteren Weg nach Mildsiefen waren alle Teilnehmer für die kühle Erfrischung der „mobilen Versorgungsstation“ des HGV an diesem schwülen Tag sehr dankbar. Während der kurzen Rast bot sich uns ein herrlicher Panoramablick über umliegende Hofschaften und Orte, bis nach Niederdreisbach und Marienfeld.

Anschließend führte unser Weg durch das "geteilte" Stranzenbach (nördlicher Teil zu Nümbrecht, südlicher Teil zu Ruppichteroth). Hier lebt mit 104 Lebensjahren einer der älteste Einwohner in weitem Umkreis. Unsere letzte Etappe am Stranzenbach entlang nach Röttgen und weiter durch das Bröltal zurück zur Gaststätte Stommel, endete mit einer letzten Rast im Biergarten.

Hartmut Benz hat diese Wanderung mit vielen historischen Fakten und interessanten "Histörchen" zu einem äußerst kurzweiligen, lebendigen Wandererlebnis werden lassen.

Bericht mit freundlicher Unterstützung von Wilhelm Lang

Heimat – und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid

Versorgungsstation

Am Samstag, den 22. Juli 2017 trafen sich fast 30 Mitglieder und Freunde des Heimat-und Geschichtsvereins an der Wallfahrtskirche „Zur schmerzhaften Mutter“ in Hennef – Bödingen. Dort erwartete uns Peter Hilleke, der uns sehr lebendig in 2 Stunden viel über die Geschichte der Kirche und Kirchengeschichte im Kleinen, aber auch über persönlich erlebte Zeitgeschichte und Denkmalpflege nahebrachte.

Grundlage für den Kirchenbau war ein Gnadenbild, das viele Pilger anzog und so 1397 zum Bau einer Kirche den Anstoß gab. Bereits 1408 war der Bau des Gotteshaus vollendet und sie wurde der Allerseligsten Jungfrau Maria und den Heiligen Drei Königen geweiht. Es handelt sich um den ältesten Wallfahrtsort der Schmerzhaften Mutter in Deutschland.

Ausgehend von der langen Geschichte erläuterte uns Herr Hilleke sehr plastisch auch die Geschehnisse zu Zeiten der Säkularisation, wo die Bibliothek unwiederbringlich „aufgelöst“ wurde oder Gebäude Stein für Stein verkauft wurden. Er thematisierte auch die Renovierung der Kirche im 20. Jahrhundert und bedauerte, dass der Haupteingang der neuen Orgel zum Opfer fiel und die gestifteten Kirchenfenster im Gottesdienst niemand sieht.

Breiten Raum nahm auch die wechselhafte Geschichte des Gnadenaltars ein, der beinahe puristischen Entscheidungen im Zuge der Renovierung zum Opfer gefallen wäre. Dass sich Vorstellungen von engagierten Laien und Fachleuten in der Denkmalpflege nicht immer decken wurde des Öfteren deutlich. Dabei war auch immer  spürbar mit wieviel Herzblut Peter Hilleke fast 70 Jahre lebendige „Kirchengeschichte“ erlebt hat, z.B. bei der Restaurierung der „Beweinungsgruppe“, die in Bödingen eine neue Heimat gefunden hat.

Ein Besuch der Wallfahrtskirche ist immer einen Ausflug wert, insbesondere wenn sie mit einer Führung durch Peter Hilleke verbunden werden kann.

Hans-Jürgen Parpart
Erster Vorsitzender Heimat-und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid

Gespannt auf die Führung
Gnadenbild
Peter Hilleke
Der Turm
Gruppe vor Kirche
Gnadenaltar im Seitenschiff
Der Armleuchter
Orgel vor dem Haupteingang
Beweinungsgruppe
Fundationsbild
Unser Führer begeistert

 

„Tauchen Sie mit uns in die etwas anderen Bestattungskulturen von Sinti und Roma ein, wobei die „Königsgräber“ herausragen. Der Friedhof in Bonn-Beuel am Platanenweg bietet aber noch mehr – lassen Sie sich überraschen!“ - So die Ankündigung des Heimat – und Geschichtsvereins.

Neugierig geworden warteten wir  am 22. April vor dem Friedhof auf den Historiker R. Selmann, der uns diese Kultur näher bringen sollte. Interessante, spannende, amüsante Geschichten, imposante Grabmäler, fast Mausoleen gleich ließen uns bald Regen und Kälte vergessen.

So erfuhren wir, dass  Josef Czori im Jahre 1964 während des Pützchens Markt verstarb und hier als König beigesetzt wurde, zwar vergleichsweise schlicht, aber mit den charakteristischen Merkmalen, der Königsgräber: schwarzer Granit aus Indien, vergoldete Inschriften, Portrait des Bestatteten und die obligatorische Krone. Eine Tradition war mit dem Tod geboren! 1997 fand der Roma-König Ferko Czori hier seine letzte Ruhestätte. Über 1000 Gäste nahen an dem Begräbnis teil.

Und dann war da noch die Gräberstraße der Kesselflicker, der Kalderashs, und der Pferdehändler, der Lovaras, deren Einfassungen und Aufbauten sich durch Farbe und Material  unterscheiden: die Grabmäler der Pferdehändler sind aus hellem Marmor und die der Kesselflicker aus schwarzem Granit.

Es ist auch noch zu berichten, dass die Taufen von der Großmutter oder der Mutter vorgenommen werden. Die meisten Sinti und Roma sind jedoch römisch-katholisch und wünschen somit eine kirchliche Beerdigung – aber ohne kirchliche Taufe? Ein Pfarrer aus Villich hat sich bereit erklärt, diesen Vorstellungen zu entsprechen. Und das ist wohl auch ein Grund dafür, dass der Beueler Friedhof von Sinti und Roma mit ihren Kesselflickern, Artisten und Königen so angenommen wird. 

Die wunderschön gepflegten Gräber der Gruppe der Jenischen sind ein Zeugnis dafür, dass auch sie hier aufgenommen werden.

Viele Geschichten wären noch zu erzählen! Planen Sie einmal solch einen Besuch – am besten mit einer Führung! Es war ein sehr schöner Morgen, an dem sich zum Schluss beim Mittagessen im Alten Bahnhof Beuel sogar noch der blaue Himmel zeigte!

Richmut Rein (Heimat-und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid e.V.)

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