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Bei den Königen zu Besuch

„Tauchen Sie mit uns in die etwas anderen Bestattungskulturen von Sinti und Roma ein, wobei die „Königsgräber“ herausragen. Der Friedhof in Bonn-Beuel am Platanenweg bietet aber noch mehr – lassen Sie sich überraschen!“ - So die Ankündigung des Heimat – und Geschichtsvereins.

Neugierig geworden warteten wir  am 22. April vor dem Friedhof auf den Historiker R. Selmann, der uns diese Kultur näher bringen sollte. Interessante, spannende, amüsante Geschichten, imposante Grabmäler, fast Mausoleen gleich ließen uns bald Regen und Kälte vergessen.

So erfuhren wir, dass  Josef Czori im Jahre 1964 während des Pützchens Markt verstarb und hier als König beigesetzt wurde, zwar vergleichsweise schlicht, aber mit den charakteristischen Merkmalen, der Königsgräber: schwarzer Granit aus Indien, vergoldete Inschriften, Portrait des Bestatteten und die obligatorische Krone. Eine Tradition war mit dem Tod geboren! 1997 fand der Roma-König Ferko Czori hier seine letzte Ruhestätte. Über 1000 Gäste nahen an dem Begräbnis teil.

Und dann war da noch die Gräberstraße der Kesselflicker, der Kalderashs, und der Pferdehändler, der Lovaras, deren Einfassungen und Aufbauten sich durch Farbe und Material  unterscheiden: die Grabmäler der Pferdehändler sind aus hellem Marmor und die der Kesselflicker aus schwarzem Granit.

Es ist auch noch zu berichten, dass die Taufen von der Großmutter oder der Mutter vorgenommen werden. Die meisten Sinti und Roma sind jedoch römisch-katholisch und wünschen somit eine kirchliche Beerdigung – aber ohne kirchliche Taufe? Ein Pfarrer aus Villich hat sich bereit erklärt, diesen Vorstellungen zu entsprechen. Und das ist wohl auch ein Grund dafür, dass der Beueler Friedhof von Sinti und Roma mit ihren Kesselflickern, Artisten und Königen so angenommen wird. 

Die wunderschön gepflegten Gräber der Gruppe der Jenischen sind ein Zeugnis dafür, dass auch sie hier aufgenommen werden.

Viele Geschichten wären noch zu erzählen! Planen Sie einmal solch einen Besuch – am besten mit einer Führung! Es war ein sehr schöner Morgen, an dem sich zum Schluss beim Mittagessen im Alten Bahnhof Beuel sogar noch der blaue Himmel zeigte!

Richmut Rein (Heimat-und Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid e.V.)

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